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Leserbriefe schreiben bewirkt viel mehr, als man denkt! Nutzt diese Möglichkeit, Eure Meinung kund zu tun und auf Missstände aufmerksam zu machen! So erreicht Ihr zum einen die Leser der Zeitungen, zum anderen aber werden sich die Zeitungsmacher selbst bewusster über die "Nachfrage" solcher Themen. Frau Beata Brunner aus Mitlödi GL hat folgenden Brief geschrieben, welcher am 15.7. in den Glarner Nachrichten erschienen ist. Vielen Dank!
Ich schäme mich Herr Pascal Couchepin Bundespräsident Couchepins Entschluss, an der Eröffnungsfeier der Olympiade in Peking teilzunehmen, gibt zu denken. Vor der Vergabe der olympischen Spiele an China 2001 hat das IOC von der chinesischen Regierung vertraglich eine Verbesserung der Menschenrechts-Politik zugesichert bekommen. Von 1,3 Milliarden Chinesen sind 92% Han, das heisst, Chinesen-Chinesen. Die restlichen 8% teilen sich in 55 anerkannte ethnische Minderheiten auf, darunter auch Tibeter. In den sieben Jahren seit der Vergabe hat sich die Repression gegen religiöse Minderheiten in China sogar verschärft, wie die brutale Niederschlagung der Proteste in Lhasa deutlich gezeigt hat. Chinas Machthaber ertragen keinen Imageverlust und jedes Mittel ist ihnen heilig, um den Schein einer fortschrittlichen Nation zu wahren. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International bestätigten Zwangsevakuierungen, Umschulungen, Folter, unfaire Gerichtsverfahren und Hinrichtungen. Chinas Pressezensur ist bekannt genug, vorausgesetzt man hat ein Ohr dafür.
Bis heute hat das IOC trotz Warnungen sämtlicher Menschenrechtsorganisationen nicht wirklich etwas unternommen, um die chinesische Regierung zur Einhaltung ihrer Versprechen zu zwingen. Dafür ist zu viel Geld im Spiel. Dass das IOC allein für die Übertragungsrechte am Fernsehen rund 1,7 Milliarden Dollar einkassiert, zeigt, wie sich mit Sport Geld verdienen lässt. Die Hoffnung, dass gerade mit der Vergabe der olympischen Spiele die Misszustände in China verbessert werden könnten, ist wohl eher utopisch.
Dass es dem Bundespräsidenten wichtiger ist, sich im Rampenlicht zu präsentieren als der chinesischen Regierung durch sein offizielles Fernbleiben am 8. August ein unmissverständliches Zeichen seiner Nicht-Akzeptanz der drastischen Menschenrechtsverletzungen zu demonstrieren, ist traurig. Herr Couchepins Begründung, das IOC sei in der Schweiz ansässig und es gäbe viele Sportvereine, erscheint auf geradezu zynische Weise fadenscheinig. Die Tatsache, dass der Beschluss, die Schweiz in Peking zu vertreten, schon vor den Demonstrationen der Tibeter im März gefasst wurde, ist als Entschuldigung inakzeptabel.
Was für ein Vorbild menschlicher Würde - nicht nur für unsere Athleten sondern auch für die Politiker in der Schweiz, welche sich für Menschenrechte einsetzen. Allen voran aber für das Schweizervolk, welches spontan immer Solidarität mit menschlichem Leid gezeigt hat. Es bleibt zu wünschen, dass Bundespräsident Pascal Couchepin während der Festlichkeiten für den Bruchteil einer Sekunde an das Elend der Menschen denkt, die speziell wegen dem grössten Sportanlass der Welt unmenschlich behandelt werden. Es lebe die Fairness im Sport.
Beata Brunner, Mitlödi |